Klangarbeit mit besonderen(behinderten) Menschen
Es ist wieder Mittwoch früh. Der Tag, an dem ich zwei Klienten in einer Wohneinrichtung besuche, um mich mit ihnen für jeweils eine Stunde auf eine spannende Entdeckungsreise mit den Schwingungen und Tönen meiner Klangschalen zu begeben.
Die Klangstunde ist etwas ganz Besonderes im Alltag der zwei seit ihrer Geburt schwer
bewegungseingeschränkten und geistig behinderten Männer. Ein Highlight ist es zudem. den Klang bei schönem Wetter im Freien zu erleben.
Als ich ankomme, werde ich schon ungeduldig erwartet. Mein erster Klient sitzt bereit in seinem Rollstuhl und fragt seine Betreuer immer wieder nach der Uhrzeit.
Nachdem wir uns begrüßt haben, geht es auch schon los. Je nach Wunsch schiebe ich den Rollstuhl mal zu der nahegelegenen Bank oder etwas weiter an einen etwas belebteren Platz. Nach einem kurzen Vorgespräch über das momentane Befinden oder auch das Erleben in den vergangenen Tagen, stelle ich die Beckenschale auf das Rollstuhl Tablett oder auf die vor dem Klienten befindliche Bank und klinge diese sanft an…und werde mit einem strahlenden Lächeln belohnt. Auf meine Nachfrage kommen Aussagen wie: „schön, ich spüre den Klang“ oder „das klingt wie eine Turmuhr“. Da werden angenehme Erinnerungen wach. Diese werden in einfachen Worten geschildert.
Nach einigen Minuten möchte Herr. Z. den Schlegel selbst in die Hand nehmen und die Schale anklingen. Es dauert einen Moment, bis der kurze Schlegel gut in der von Spastik und Verkürzungen
betroffenen Hand liegt. Herr Z. genießt es sichtlich selbst Klänge zu erzeugen. Oftmals klingt er dabei auch absichtlich mit dem Holz des Schlegels auf den Rand der Klangschale. Das ist für ihn ein besonderer Ton. Manchmal stelle ich auch eine zweite Klangschale dazu und klinge abwechselnd mit Hrn. Z. die Klangschale an…ein klingendes Gespräch sozusagen. Daran haben wir eine Weile unsere Freude.
Als nächstes möchte Hr. Z. das ich mit der klingenden und schwingenden Schale über seine Extremitäten gleite. Hr. Z. möchte, dass ich erst mit den Armen beginne und danach mit den Beinen fortfahre. Später halte ich die Beckenschale vor seinem Bauch. Das mag er besonders gern.
Ich fange dabei an zu tönen und Hr. Z. traut sich dann auch😊Das hört sich manchmal ziemlich lustig an. Wird sogar zu einem Brummen. Und dann spätestens holt Hr. Z. ganz tief Luft. Und lässt sich lange Zeit mit der Ausatmung. Und manchmal fallen auch die Augen zu. Aus Hören wird ein andächtiges Lauschen. Klänge die sich mit der Natur verbinden. Vögel die zwitschern, Insekten die summen…und noch ganz andere Geräusche. Hr. Z. lauscht und entspannt sichtlich.
Viel zu schnell ist die Stunde vorbei. Hr. Z. weist darauf hin, dass nun sein Mitbewohner dran wäre. Und freut sich auf das nächste Mal.




